Was ist Selbstmitgefühl?

Was ist Selbstmitgefühl?

Mitgefühl für uns selbst unterscheidet sich eigentlich nicht vom Mitgefühl für andere. Um Mitgefühl mit anderen zu haben, müssen wir zunächst wahrnehmen, dass sie leiden. Wenn wir einen Obdachlosen auf der Straße ignorieren, können wir nicht mitfühlen, wie schwer sein Leben auf der Straße sein mag. Zum Mitgefühl gehört auch, sich vom Leiden eines anderen berührt zu fühlen, so dass unser Herz mit dem Schmerz des anderen mitschwingt. Wenn das geschieht, fühlen wir Wärme, Fürsorge und den Wunsch, der leidenden Person zu helfen. Mitgefühl zu haben bedeutet auch, Verständnis zu haben und sich anderen freundlich zuzuwenden, wenn sie scheitern oder Fehler machen, anstatt sie hart zu verurteilen. Letztlich heißt Mitgefühl (statt Mitleid) für andere zu haben auch, wahrzunehmen, dass Leiden, Scheitern, und Unzulänglichkeiten gemeinsame und geteilte menschliche Erfahrungen sind.

Selbstmitgefühl bedeutet, uns selber in schwierigen Zeiten, wenn wir scheitern oder wenn wir etwas an uns bemerken, was uns nicht gefällt, in der gleichen verständnisvollen und unterstützenden Art und Weise zu begegnen, wie wir einem guten Freund oder einer guten Freundin begegnen würden.

Schmerz auszublenden, halten wir inne und sagen zu uns selbst: “Dies ist echt schwer gerade … Wie kann ich mich trösten und versorgen in diesem Augenblick?”
Selbstmitgefühl bedeutet, angesichts unserer Fehler freundlich und verständnisvoll uns selbst gegenüber zu bleiben, anstatt uns gnadenlos zu verurteilen oder uns scharf für alle vermeintlichen Unzulänglichkeiten zu kritisieren. Wer hat denn je behauptet, dass man perfekt sein muss? Wir können versuchen, uns selbst oder unser Verhalten zu ändern. Mit Selbstmitgefühl geschieht das dann, weil wir uns selbst am Herzen liegen und nicht, weil wir inakzeptabel und wertlos wären, so wie wir jetzt sind. Mitgefühl mit sich selbst zu haben bedeutet letztlich, dass man seine Menschlichkeit annimmt und würdigt. Die Dinge gelingen nicht immer so, wie wir sie gerne hätten. Wir erleben Frustration und Verluste, wir machen Fehler, stoßen an unsere Grenzen und bleiben hinter unseren Idealvorstellungen zurück. Das ist einfach die menschliche, geteilte Wirklichkeit von uns allen. Je mehr wir dieser Wirklichkeit unser Herz öffnen, anstatt gegen sie anzukämpfen, desto mehr erleben wir Mitgefühl für uns selbst und für unsere Mitmenschen bei allen Erfahrungen, die das Leben beschert.